Woran erkennt man, dass ein Brief mit KI geschrieben wurde?
An sechs Dingen: Dreierreihen von Eigenschaften, einem Anlauf vor dem Anliegen, Höflichkeit statt Aussage, Adjektiven wo Zahlen hingehören, Sätzen ohne Punkt und einer Zusammenfassung am Schluss. Wer sie streicht und stattdessen Zahlen, Daten und kurze Sätze schreibt, bekommt einen Brief, dem man nichts ansieht.
Warum das überhaupt auffällt
Ein Sprachmodell schreibt, was in seinen Texten häufig war. Für einen Geschäftsbrief ist das ungünstig: Häufig waren Werbetexte, Ratgeber und Unternehmensprosa — Textsorten, die freundlich klingen und wenig sagen. Ein Brief soll das Gegenteil tun.
Der Empfänger merkt das nicht an einem einzelnen Wort. Er merkt es an der Summe: Der Brief liest sich glatt und man weiß hinterher nicht, was eigentlich verlangt wird.
Sechs Merkmale
1 Die Dreierreihe
Drei Eigenschaften, durch Komma und „und" verbunden: schnell, zuverlässig und professionell. Sprachmodelle bauen diese Reihe fast reflexhaft.
Stattdessen: Eine Eigenschaft, dafür mit Beleg. „Die Lieferung war am 12. August zugesagt und ist bis heute nicht da" sagt mehr als jede Dreierreihe.
2 Der Anlauf vor dem Anliegen
Ein Einstieg, der noch nichts sagt: „In der heutigen Zeit", „Ich wende mich heute an Sie, um", „Wie Sie sicher wissen".
Stattdessen: Der erste Satz nennt das Anliegen. Wer eine Rechnung anmahnt, schreibt die Rechnungsnummer in den ersten Satz.
3 Höflichkeit statt Aussage
„Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie eventuell die Möglichkeit hätten". Der Satz ist so weich, dass keine Bitte mehr übrig bleibt.
Stattdessen: Höflich und bestimmt: „Bitte überweisen Sie den Betrag bis zum 15. September." Das ist nicht unhöflich, das ist klar.
4 Adjektive an Stellen, wo Zahlen hingehören
„Erhebliche Verzögerungen", „zahlreiche Versuche", „seit geraumer Zeit". Jedes dieser Wörter ersetzt eine Zahl, die der Schreiber hat.
Stattdessen: Die Zahl. „Seit sieben Wochen", „beim vierten Anruf", „drei Wochen nach dem zugesagten Termin".
5 Sätze, die keinen Punkt finden
Nebensatzketten über vier Zeilen, in denen das Verb weit hinten steht. Ein Modell verliert dabei nichts — ein Leser schon.
Stattdessen: Ein Gedanke, ein Satz. Wo drei Kommas stehen, passen meistens zwei Punkte.
6 Der Schluss, der noch einmal alles zusammenfasst
„Zusammenfassend lässt sich sagen" — in einem Brief von zwölf Zeilen. Die Zusammenfassung ist eine Textsortengewohnheit von Modellen, kein Briefbestandteil.
Stattdessen: Der letzte Satz sagt, was passieren soll: eine Frist, eine Bitte, eine Frage. Dann Grußformel.
Was ein Werkzeug daran prüfen kann — und was nicht
Hier hört falzmarke auf, und das gehört ausgesprochen. Das Werkzeug setzt den Brief und misst das fertige PDF nach: Maße, Zonen, Abstände. Ob der Ton stimmt, kann es nicht beurteilen — und es tut auch nicht so.
Ein Brief kann jedes Maß einhalten und trotzdem nach Werbeprospekt klingen. Umgekehrt kann ein gut geschriebener Brief die Anschrift am Fenster vorbeischieben. Das sind zwei verschiedene Fragen, und nur die zweite lässt sich messen.
Was hilft: Den Text von der KI schreiben lassen, dann selbst durchgehen und die sechs Merkmale oben streichen. Das dauert zwei Minuten und ist der ganze Unterschied.
Woher diese Liste kommt
Aus der Arbeit mit den Beispielbriefen dieses Projekts, nicht aus einer Studie. Es gibt keine Norm dafür, wie ein Brief klingen soll, und niemand kann messen, ob ein Text „nach KI" wirkt — das ist ein Eindruck, kein Befund. Die Liste ist deshalb ein Erfahrungswert, und sie ist als solcher gekennzeichnet. Anders als bei den Maßen auf dieser Seite gibt es hier nichts zu belegen.
Und dann?
Wenn der Text steht, macht falzmarke daraus einen Brief nach DIN 5008 — gesetzt, vermessen und faltbar. Wie das geht, steht in der Anleitung; fertige Vorlagen gibt es für zehn Anlässe, und alle Regeln mit ihrer Quellenangabe stehen offen da.
Kein Rechtsrat: Die Vorlagen zeigen die Briefform. Ob ein Schreiben inhaltlich trägt (Fristen, Formerfordernisse, Ansprüche), hängt vom Einzelfall ab — falzmarke prüft die Form, nicht den Inhalt.